Emotionen einschätzen, Hunde verstehen – Das EMRA TM-System als individuelle Herangehensweise an Verhaltensprobleme und deren Therapie

Emotionen einschätzen, Hunde verstehen„Emotionen einschätzen, Hunde verstehen – Das EMRA TM-System als individuelle Herangehensweise an Verhaltensprobleme und deren Therapie“ von Robert Falconer-Taylor, Peter Neville und Val Strong
Cadmos Verlag, 2013, ISBN (13) 978-3840425073, ISBN (10) 3840425077, EUR 22,90
128 Seiten, durchgehend farbig, Paperback
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Die Grundgliederung des Buches ist in Fallbeispielen als Beispiele für die Anwendung des EMRA-Systems. Angst vor Fremden, Übererregung mit aggressiven Attacken, Unsauberkeit, Knurren und Schnappen – „Cockerwut“?, Trennungsproblem, Aggressionsverhalten.
Ein weiteres Kapitel betrifft die Anwendung auf Katzen.

EMRA ist ein System der COAPE, einem englischen Institut für Verhaltensforschung, das eine individuelle Einschätzung eines Problems auf drei Ebenen sucht.

Grundannahme (S. 7): „Diese große Mehrheit der Verhaltensprobleme tritt nicht aufgrund einer klinisch diagnostizierbaren Anomalie auf, sondern weil die betroffenen Tiere einfach Schwierigkeiten haben, mit irgendeinem Aspekt ihres alltäglichen Lebens zurechtzukommen – mit uns Menschen oder mit Artgenossen – und ihre Art des Umgangs mit dieser Situation von dem abweicht, was ihre Besitzer
unter akzeptablem Verhalten verstehen.“
EMRA wollte weg von standardisierten Einordnungen und Behandlungen.

Es gibt drei Grundpfeiler (S. 9):
1. Emotionseinschätzung: Wie ist der Gefühlszustand des Tieres zu dem Zeitpunkt, wenn das
Problem auftritt?
2. Lebensgefühleinschätzung: Wie ist die generelle Grundstimmung des Tieres und wie verhält es
sich im Alltag?
3. Verstärkereinschätzung: Welche äußeren und inneren Faktoren sind es genau, die das problematische Verhalten aufrechterhalten, oft trotz verschiedenster Versuche, es abzustellen?

Im Mittelpunkt dieses neuen Ansatzes stehen das gesteigerte Bewusstsein für die Individualität und
die emotionale Verfassung des Tieres sowie die Schulung des Therapeuten dahingehend, diesen
Gefühlszustand auch richtig einschätzen zu können.

Es geht zum einen darum, wie sich der Hund zum Zeitpunkt, an dem das Problem auftritt, fühlt.
Zum Zweiten um die Feststellung der Grundstimmung im normalen Leben.
Als allererstes wird die Grundstimmung auf ein Niveau stabilisiert, in dem der Hund ansprechbar ist.
Dann wird der emotionale Nutzen eingeschätzt, den der Hund aus diesem Verhalten hat. Der Ansatz ist, diese Emotion wieder von dem Verhalten zu trennen.

Die Emotionen können in Art und Intensität mit einem Diagramm erfasst werden, sowohl die Emotionseinschätzung, als auch die Lebensgefühleinschätzung.

Medikamente werden eingesetzt, je nachdem, wie der Grundzustand des Hundes ist.

Es wird angenommen, dass der Hund sich selbst an den Punkt eines „Glücksrichtwertes“ bringt und Verhaltensweisen zeigt, die er belohnend und angenehm empfindet.

Eine Lösung (Trainingsprogramm) wird für die aufgezeigten, exemplarischen Fälle unterschiedlich detailliert aufgezeigt. Es ist nicht das Ziel des Buches, eine Schritt-für-Schritt nachzuarbeitende Anleitung zu geben. Der zentrale Punkt ist es, das individuelle Wohlfühlbudget zu erhöhen.
„Es klingt banal, aber Hunde müssen jeden Tag die Gelegenheit erhalten, umherzulaufen, sozial zu
interagieren, zu spielen und zu kauen.“ (S. 43)
Der Wohlfühllevel des Hundes ergibt sich aus den Teilen der Jagdsequenzen, für die er gezüchtet wurde, die rassetypischen Bedürftnisse. Er braucht Möglichkeiten zur selbstständigen Problemlösung im Alltag (Training).

Interessant fand ich die Ausführungen zur sogenannten „Cockerwut“:
„Es gibt keinerlei Beweise für eine sogenannte „Cockerwut“. Das war und ist eine der größten Schanden, die der Berufsstand der Verhaltensforscher und -therapeuten auf sich geladen hat, denn diese Hunde sind offensichtlich in keiner Weise klinisch krank.“ (S. 54)

Autor/in:
Robert Falconer-Taylor BVetMed DipCABT MRCVS ist Tierarzt, COAPE-Partner, Mitentwickler und Dozent vieler COAPE-Kurse. Er berät als Experte tierärztliche Vereinigungen und Tierschutzorganisationen und engagiert sich bei „The Puppy Plan“, einer groß angelegten Kooperation des Britischen Kennel Clubs und der Tierschutzorganisation Dogs Trust.
Peter Neville Dhc BSc (Hons) ist Gründungspartner des COAPE-Instituts und (Co-) Autor  von 15 Büchern, darunter der internationale Bestseller „Versteh deinen Hund“. Er arbeitet als Dozent, Berater für verschiedene Organisationen und leitet Safaris in Afrika, bei denen Verhalten von Wildhunden und Großkatzen erforscht wird.
Val Strong MSc machte ihren Master im Bereich Haustierverhaltensberatung mit dem Spezialgebiet: die Auswirkung der Ernährung auf das Verhalten. Sie ist seit 1997 COAPE-Partner und zählt zu den führenden Expertinnen im Bereich der Aus-bildung von Assistenzhunden und Anfallswarnhunden für Menschen mit Epilepsie.

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