Hütehunde als Begleiter – Rassen, Erziehung, Beschäftigung

Hütehunde als Begleiter“Hütehunde als Begleiter – Rassen, Erziehung, Beschäftigung” von Normen Mrozinski
Kosmos Verlag, 2014, ISBN(13) 978-3440139387, ISBN(10) 3440139387, EUR 29,99
168 Seiten, Hardcover
Bestellung bei Amazon

Autoren-Website
Blick hinein

Das Buch beginnt mit den Unterschieden in der Hütearbeit an sich und es folgt ein kurzer Abriss der Entstehung der Rassen und Schläge. Die lässt einen besser verstehen, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten es bei den vielen verschiedenen Rassen gibt.

Die häufigsten hier in Deutschland gehaltenen Hütehunderassen werden vorgestellt. Zum Teil ein Teil des Rassestandards zitiert, aber auch beschrieben, wie sie sich entsprechend ihrer Geschichte und Verwendung von ihrer Art her voraussichtlich zeigen werden.

Es gibt Überlegung zur Auswahl des Hundes, Mischling, Herkunft, Arbeits- oder Showlinie, Dazu werden einleuchtende Erklärungen der einzelnen Vor- und Nachteile gegeben.
Ebenso eine Aufzählung der wichtigen Anhaltspunkte für einen Hund aus dem Tierschutz.

Der gesamte Part der Erziehung ist nicht weitreichend erklärt, zu einer Trainingsanleitung reicht es nicht. Es gibt nur Ideen, wohin die Reise gehen kann.
Als wichtig erachtet es der Autor, früh Ruhe halten und Frust aushalten zu lernen.
Verhalten wird korrigiert und im Anschluss die Möglichkeit gegeben, das richtige Verhalten zu zeigen. Der Hund soll nach Ansicht des Autors die Möglichkeit bekommen, einen Fehler zu machen.
Es wird in kurzen Trainingseinheiten geübt und es gibt grundsätzlich viele Wege zum Ziel.
Ein Leckerchen wird beim Aufbau des Verhaltens eingesetzt, später soll dann „die Beziehung eingebracht werden“, was nicht näher erläutert wird.

Sehr klar erklärt wird, dass der Hund ein breites Spektrum an bekommen muss als Junghund, damit er nicht zu spezialisiert. Seine Spezialisierung kann er schon selbst, das führt bei einem Familienhund eher zu Problemen, wenn er bei einer gut entwickelten Schnellstrasse im Gehirn keine Abfahrtmöglichkeit hat. Zitat S. 115: „Hat sich aus dem kleinen Trampelpfad einmal eine Schnellstrasse entwickelt, dann kann der Hund nur noch Gas geben, weil er andere Optionen nicht lernen konnte. Probleme sind damit vorpragrammiert, da Handlungsalternativen für die Herausforderungen des Alltages fehlen. Dem Hund fehlt sozusagen die „Ausfahrt“.“

Eine Verhaltensstörung wird klar erklärt. Der Hund muss immer innerhalb seiner Vergleichsgruppe und Zuchtziel gesehen werden.
Der Umgang mit Ballspielen soll vorsichtig geschehen.
Das Vorurteil „Hütehunde jagen nicht“ wird widerlegt und in die Kategorie „Marketing“ gesteckt. Jagdverhalten muss man erkennen und managen. Wie im einzelnen, wird nicht weiter erklärt.

Es werden verschiedene sinnvolle Beschäftigungen ausserhallb der Hütearbeit vorgestellt, die dem Hütehund vielleicht entgegenkommen, gefallen und auslasten.

Der Autor vertritt die Ansicht, dass ein gesunder Hund kaum körperlich auszulasten ist. Zitat, S. 136: „Dem Argument, dass Hütehunde „Marotten“ entwickeln, wenn man sie nicht auslastet, möchte ich Folgendes entgegensetzen: Wenn ein Hütehund in seiner Entwickling nicht gelernt hat, Frustration zu ertragen, Außenreizen gegenüber gelassen zu bleiben und stattdessen mit vielfältigsten Angeboten überfrachtet wird, besteht tatsächlich die Gefahr, dass er neurotische Verhaltensweisen entwickelt.“

Der Hund sollte gerade auch an Aufgaben herangeführt werden, die für ihn erstmal nicht so geeignet erscheinen, um ihn geistig zu fördern und zu fordern.

Die klaren Worte zum Hobbyhüten gefallen mir gut. Erstmal soll keine Leidenschaft geweckt werden, der dann später eventuell nicht mehr nachgegangen werden kann. Und die Schafe wären oft die Opfer von blutigen Anfängern und schlecht geleiteten Seminaren.

Ein ganz normaler „altmodischer“ Spaziergang mit Freilauf, eventuell einem Hundekumpel dabei, kein Handy, dafür aber kleine Aufgabenstellungen, „schafft eine Gemeinsamkeit, ist Beschäftigung pur und ist dazu noch kostenlos.“ Die Aussage gefällt mir.

Fazit: Eine vielschichtiges Buch, das eine gute Übersicht über die hier am häufigsten vorkommenden Hütehunderassen, Einschätzung, wie ein Hütehund so tickt und was er braucht, um ihm gerecht zu werden und ihn nicht zu überdrehen. Er sollte ganz klar nicht rundum beschäftigt und von Welpe an auf eine Sportkarriere vorbereitet werden. Dies wird klar begründet und erklärt.

Autor/in:
Normen Mrozinski ist Hundetrainer und Hütehundexperte. In seiner Hundeschule „Canidas“ im Hochtaunus bietet er spezielle Trainingsprogramme an, die sich an die Halter an von Hütehunden wenden.

Autoren-Website
Blick hinein