Ich halte dich – Ein Wegweiser für ungehaltene Hunde Band 1

Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt„Ich halte dich – Ein Wegweiser für ungehaltene Hunde Band 1“ von Mirjam Cordt
Caniversum Verlag, 2014, ISBN(13) 978-3981289022,  ISBN(10) 3981289021, EUR 24,90
200 Seiten, durchgehend farbig, Hardcover
– erhältlich auf der Verlagsseite

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Ein besonderes Buch, das die Sicht des Lesers auf die Bedürfnisse seines Hundes schärft und die Beziehung zu ihm verändern kann. Es weckt Verständnis für die oft „ungehaltenen“ Reaktionen des Hundes.
Der Titel trifft es im doppelten Sinne und ich halte ihn für gut gewählt. Der „ungehaltene“ Hund, der aus sich herausplatzt, aber auch keinen Halt hat.

Hier wird deutlich, dass jede Arbeit sehr individuell abgestimmt auf Mensch und Hund und
auf jeden Fall gewaltfrei sein sollte. Es werden auch Beispiele für nicht offensichtliche Gewalt genannt.

Die Autorin will die Arbeit mit dem Hund und die Erwartung an den Hund nicht schon von vornherein einschränken durch eine Einschätzung wie „alt“, „kommt aus schlechter Haltung“, „falsche Rasse“ usw.
Die Schilderungen sind sehr bildlich, unterstützt durch Fotos, Zitate, entsprechende Beispiele aus dem menschlichen Bereich, den auch der Leser kennt, oder Beispiele aus ihrer Trainerinnenpraxis.

Zwei Zitate, die die Stimmung des Buches gut wiedergeben:

Zitat S. 43 zur Stimmung beim Training: „Daher gilt wie so häufig im Leben: Rücksicht ist Voraussicht und Voraussicht ist besser als Nachsicht. Ein rücksichtsvoller Umgang mit den Befindlichkeiten und aktuellen Fähigkeiten des Hundes, ein vorausschauendes Training, ein übergroßes „Mehr“ an guten Erlebnissen, ein bewusstes Agieren und Konfrontieren des Hundes mit gezielten Reizen und dem notwendigen Beistand erleichtern Hund und Halter das Leben ungemein. Sie sorgen bei beiden für ein Stimmungshoch und sparen viel Zeit. Solch ein Training ist effektiv, nachhaltig und erfolgreich!“

Zitat S. 49 zum Hungernlassen eines Hundes, bis er „zur Mitarbeit bereit ist“: „Dies zeigt erneut, wie wichtig es ist, das Bewusstsein für die elementaren Bedürfnisse des Hundes zu schärfen. Diese haben ohne Wenn und Aber und nicht erst nach einer hundlichen „Vorleistung“ oder „Anerkennung des Menschen als Hoheitsgewalt“ erfüllt zu werden.“

Vielleicht verliert sich das Buch hier und da ein wenig zu lange und zu tief in den Erklärungen der Bedürfnisse und ethischen Betrachtungen. Aber ich denke, klar wird es jedem Leser werden.

Im 2. Kapitel geht es ausführlich um die Anamnese des Hundes, insbesondere um seine körperlichen Befindlichkeiten. Hier werden eine Anzahl körperlicher Krankheiten und eventuell unerkannter Verletzungen ausführlich mit Fallbeispielen belegt. Es geht um Themen wie Zwangsverhalten, ADHS, körperliche Erkrankungen, (alte) Verletzungen, Besonderheiten des Gehirns. Ein kleiner Teil nehmen noch das soziale Umfeld und die Verhaltensentwicklung ein .Es wird klar, wie oft eine vielleicht kaum bemerkbare Ursache einen Hund „ungehalten“ werden lassen kann.
Ein ganz ausführlicher Anamnesebogen, den die Autorin in ihrer eigenen Arbeit verwendet, befindet sich im Anhang.

Im 3 Kapitel Alternativverhalten wird aufgezeigt, wie und warum man auf die vom Hund angebotene Verhalten eingehen sollte. Verhalten verschwindet nicht einfach. Es hatte mal eine Bedeutung und Funktion. Das neue Verhalten muss eine Lösung und Erleichterung sein.

Den Abschluss bildet ein ausführliches Literatur- und Quellenverzeichnis.

Ich war natürlich drauf gespannt, wenn es dann in die Trainingspraxis geht. Aber dieses Buch endet vorher, es ist der Anfang einer Buchreihe von insgesamt 5 Büchern. Es finden sich bereits auch konkrete Verweise im Text auf die noch nicht erschienenen Bücher.

Fazit:
Das Buch schafft mal wieder einen frischen Blick auf „Probleme“ und „Problemhunde“ und der unerschütterliche Glauben der Autorin an das Potential eines Hundes macht Mut.

Autor/-in:
Mirjam Cordt lebt und arbeitet seit vielen Jahren mit Hunden, und ihr besonderes Interesse gilt dabei den angeblich unvermittelbaren, nicht resozialisierbaren, denen keine Chance auf Vermittlung gegeben wird. Seit Jahren holt sie diese Tiere zu sich, trainiert mit ihnen, baut ihr Vertrauen zu Menschen und Hunden wieder auf, hilft ihnen, ihre Ängste und Probleme zu überwinden, gliedert sie in Gruppen ein, vermittelt sie auf gute Plätze weiter oder behält sie bis zu ihrem Tod.
Sie ist Buchautorin, Referentin, Hundetrainerin und die erste Vorsitzende der Herdenschutzhundhilfe.

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