Remember Me? – Loving and Caring for a Dog with Canine Cognitive Dysfunction (engl.)

Remember Me?„Remember Me? – Loving and Caring for a Dog with Canine Cognitive Dysfunction“ von Eileen Anderson  (engl.)
Bright Friends Productions, 2015, ISBN(13) 978-1943634019, ISBN(10) 1943634017, 15,57 Euro
158 Seiten, Paperback
Kindle-Edition, ASIN B018224Y5Y, EUR 9,22
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Dieses Buch basiert auf die Erfahrung der Autorin mit ihrer eigenen kleinen Terrierhündin „Cricket“, die mit 15 Jahren an CDS erkrankte und noch 2 Jahre lebte.

Sie erzählt zuerst ein wenig die Geschichte des Hundes und auch ihrer anderen Hunde in einem Mehrhundehaushalt und beschreibt dann verschiedene Veränderungen ihres Verhaltens, die sie an ihrem Hund feststellte, die typisch für die Erkrankung sind

In der ersten Hälfte des Buches wird auf die Krankheit an sich eingegangen.

Manche Symptome des Kognitiven Dysfunktionssyndroms (CDS), auch Demenz oder eine Art Alzheimer genannt, werden als normale Alterserscheinungen angesehen. Aber es ist eine Krankheit und sie kann verlangsamt werden durch Medikamente und andere Maßnahmen. Solche Maßnahmen können auch bereits ergriffen werden, bevor der Hund erste Anzeichen zeigt.

Es finden messbare Veränderungen im Gehirn statt und es bestehen einige Ähnlichkeiten zur menschlichen Alzheimererkrankung aber es ist nicht exakt dasselbe. Doch wiederum so ähnlich, dass Hunde als Modell zur Untersuchung frühen Alzheimers dienen. Hunde bekommen allerdings keine vollständige Ausprägung, weil sie ganz einfach nicht lange genug leben.
Die klinische Beschreibung der Symptome sind Desorientiertheit, Veränderung der Interaktion mit Mensch und Tier, veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus, Verlust der Stubenreinheit und ein anderer Aktivitätslevel.
Hier gibt es im Buch einige Fotos zu typischen Verhaltensweisen wie Kreislaufen, Hund starrt in die Ecke, steht an der falschen Seite der Tür, steckt fest, hat Probleme beim Essen und ähnlichem.

Auf jeden Fall muss immer einen Tierarzt zu Rate gezogen werden. Der Besitzer sollte eine Liste erstellen mit allen auch noch so kleinen Veränderungen. Im günstigsten Falle ist dieser ein Verhaltensspezialist. Sich Notizen über Veränderungen zu machen, bewahrt jemanden nicht objektives (Hundehalter) davor, Veränderungen während einer Behandlung zu sehen, die er sehen möchte.
Grundsätzlich sollte natürlich auf die Gesundheit und auf jeden Fall auf das Gewicht geachtet werden.
Die Behandlungsmöglichkeiten werden immer besser. Eine Heilung ist nicht möglich, aber durchaus die Verlangsamung des Prozesses.
An dieser Stelle werden verschiedene Wirkstoffe und Studien am Hund beschrieben, hier wird es zum Teil sehr chemisch und biologisch.

Ein sehr wichtiger Gesichtspunkt ist eine abwechslungsreiche Anregung, wie zum Beispiel der Umgang mit anderen Hunden, Bewegung, Training, Spielzeug und auf jeden Fall geistige Herausforderungen. „Use it or lose it!“, was bedeutet, dass ungenutzte Fähigkeiten einfach verlorengehen.
Die Autorin plädiert dafür, ein ganzes Hundeleben lang Denksportaufgaben zu lösen und abwechslungsreiche Dinge zu tun.

Nach diesen ganzen Ausführungen geht es zum Praxisteil, der die wirklich große Stärke des Buches ist.
Das Zuhause für den erkrankten Hund muss sicher gemacht werden, dass er sich nicht verletzt, verlorengeht, steckenbleibt usw. Gewohnheiten sollten möglichst beibehalten werden.
Auf jeden Fall muss dem Hund Abwechslung geboten werden und wenn es nur das ist, dem Hund Gerüche mitzubringen.
Das alles ist sehr individuell für den einzelnen Hund anzupassen.
Hilfsmittel werden besprochen, wie zum Beispiel eine Kamera zur Überwachung.
Hilfe kann beim Trinken erforderlich sein, beim Essen, ein eventueller Verlust der Stubenreinheit muss gemanagt werden und überhaupt muss eventuell der gesamte Umgang verändert werden.
Oft sind nur Kleinigkeiten, an die man vielleicht nicht so denkt, zu ändern oder zu überdenken.

Der Besitzer sollte nicht vergessen, an das Training von Pflegemaßnahmen und Manipulationen aller Art zu denken, die im Alter des Hundes zunehmen werden.
Hier werden Videoaufnahmen von sich selbst empfohlen, um festzustellen, wie sicher und ruhig der Hund bei dem Vorgehen ist.
Besonders erwähnenswert sind einige gute Vorschläge zum Verabreichen von Medikamenten.
Dann gibt es eine Zusammenstellung von Hilfsmitteln für verschiedene Probleme.

Bei all dem darf der Hundehalter nicht vergessen für sich selbst zu sorgen, sich auch mal eine Auszeit nehmen, sich organisieren und lernen, mit den Sorgen umzugehen.

Die Lebensqualität des Hundes sollte immer wieder überprüft werden. Vielleicht werden ja Schmerzen von der Demenz überlagert und nicht gleich bemerkt.
Hier gibt es ein extra Kapitel über Schmerzmittel und ihre Nebenwirkungen.

Natürlich stellt sich abschließend auch die schwierige Frage, wann das Leben für den Hund nicht mehr lebenswert ist. Da werden verschiedene Links zu Fragenkatalogen im Internet aufgelistet.
Zur Hilfe sollte der Hundehalter auf jeden Fall eine eigene Liste erstellen auf der sich Freuden und Schwierigkeiten, inklusive Schweregrad und Häufigkeit, im Leben des Hundes gegenüberstellen.
„Am Leben zu sein ist nicht dasselbe wie leben.“
Es werden zwei persönliche Geschichten von Hundehaltern zur Einschläferung ihrer Tiere geschildert und auch die Geschichte von Cricket, dem Hund der Autorin. Der Konsens ist, dass eine Einschläferung lieber zu früh als zu spät geschehen sollte.

Das Buch schliesst ab mit sachlichen Infos, wie eine Euthanisierung vor sich geht, was mit dem toten Hund passieren kann usw. und es werden Organisationen genannt, die Hilfe für Trauernde anbieten.

In jedem Kapitel werden ausführliche Quellenangaben genannt. Der Text ist gut sowohl sprachlich, als auch fachlich gut verständlich.

Fazit:
Eine ausführliche Zusammenfassung mit dem derzeitigen Wissensstand zum Thema. Es ist auch für Hundehalter eine Hilfe, deren Hund „nur“ alt mit verschiedenen Einschränkungen ist und nicht unbedingt erkrankt.
Mir gefiel am besten der praktische Teil, der eine große Unterstützung darstellt für einen Lebensabschnitt des Hundes, der sehr schwierig sein kann. Die Ressourcen sind amerikanisch und ich wünsche mir eine für Deutschland angepasste Übersetzung dieses absolut empfehlenswerten Buches.

Autor/in:
Eileen Anderson ist Halterin von mehreren Hunden und lebt in den USA.

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