Schmerzen beim Hund – Erkennen, Behandeln, Lindern

Schmerzen beim Hund„Schmerzen beim Hund – Erkennen, Behandeln, Lindern“ von Renate Albrecht und Michaela Ender
Müller Rüschlikon, 2015, ISBN(13) 978-3275020348, ISBN(10) 327502034X, EUR 19,95
160 Seiten, Hardcover, durchgehend farbig
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Autoren-Website (Michaela Ender)

Vorneweg möchte ich sagen, dass man zum Lesen des Buches schon ein Mindestmass an Konzentration braucht. Die Erklärungen gehen in die Tiefe, sind aber meistenteils gut verständlich. Für Laien an einigen Stellen vielleicht ein bisschen viel. Durch farblich abgesetzte Kästen, jeweiliges Fazit und einer guten Aufteilung aber auf jeden Fall zu bewältigen.

Zuerst wird sich dem Thema gewidmet, woran man eigentlich man einen gesunden Hund erkennt und das Thema „Schmerz“ wird ausführlich unter die Lupe genommen.
Der Schmerz ist der „bellende Wächter der Gesundheit als Anzeige, dass irgendwas im Körper nicht stimmt.“
Die Gate-Control-Theorie wird zugrunde gelegt. Das ist ein mehrdimensionales Konzept der Schmerzentstehung und dient als Erklärungsmodell für viele Therapiearten.

Es wird unterschieden zwischen dem Schmerz als Warnfunktion und dem chronischem Schmerz, der selbst schon eine eigene Krankheit darstellt. Die Entwicklung des Schmerzes und die Entstehung eines Schmerzgedächnisses wird erklärt. Schmerz ist etwas Individuelles und dazu gibt es noch eine Reihe schmerzbeeinflussender Faktoren, die vorgestellt werden.

Gerade für den Laien sehr anschaulich ist die beispielhafte, ausführliche Schilderung der Entwicklung eines unphysiologischen Bewegungsmusters bei einer 4jährigen Bordeauxdogge. Die Hüfte ist schon im Welpenalter geschädigt, durch die Jahre findet eine Umverteilung durch den ganzen Körper statt und mit 4 Jahren hat sie dann Probleme mit dem Ellbogen.

Chronischer Schmerz wird oft übersehen, dieses Buch und ein ausführlicher Schmerzfragebogen zu dem Hund sensibilisiert für das Erkennen.
Der Schmerzfragebogen wirft viele Fragen auf, auf die man als Laie vielleicht nicht sofort kommt. Es Veränderungen im Gangbild, Lautäusserungen, Verhaltensänderungen und andere körperliche Veränderungen abgefragt.

Zusätzlich zu einem angepassten Einsatz von Schmerzmitteln, die hier auch beschrieben werden, gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Therapieformen, deren Beschreibung den Grossteil des Buches ausmacht.
Zitat S. 52: „Nicht alle alternativen Therapien oder besser deren Wirkung, sind durch wissenschaftliche Studien ausreichend erforscht und belegt worden. … Trotz aller Diskussionen setzt die moderne Schmerztherapie im Humanbereich auf eine ganzheitliche und integrative Schmerztherapie, die sehr erfolgreich praktiziert wird. Auch in der Veterinärmedizin geht man inzwischen erfolgreich neue Wege.“

Die einzelnen Therapien werden ungefähr nach dem Schema erklärt: Wie ist sie entstanden?, Wie funktioniert sie?, Vorteile, Ablauf, Wann ist eine solche Therapie sinnvoll?, Was gibt es sonst noch zu beachten?.
Dies geschieht ausführlich, regt nicht zum selbst Herumprobieren an, gibt aber eine Entscheidungshilfe.

Im abschliessenden Kapitel wird praktisch abgehandelt, was ich als Hundehalter tun kann. Es gibt eine kleine Vorstellung verschiedener Heilpflanzen und anderer schmerzlindernden Mittel. Auf die Ernährung soll geachtet und natürlich Übergewicht vermieden werden. Es gibt Alltagstipps z. B. zum Liegeplatz, Ein- und Aussteigen aus dem Auto. Dazu noch Beschäftigungsideen für den teilweise eingeschränkten Hund, verschiedene Wärme- Kälteanwendungen, einige Physioübungen für Zuhause und ein paar Vorschläge zum Gerätetraining.

Fazit:
Das Buch gibt Hundebesitzern einen grossen Überblick über verschiedene Therapien und damit einen Entscheidungsmöglichkeit insbesondere im Hinblick auf die Behandlung chronischer Schmerzen.
Ich habe viel über Abläufe im Körper gelernt und werde das Thema in Zukunft sensibler behandeln und auch kleine Symptome eher erkennen. Die Dringlichkeit einer frühen Behandlung wird klar. Ich werde anders auf meine Hunde schauen und auch auf mich. Ein nützliches Nachschlagewerk mit praktischen Tipps, was ich zusätzlich zur professionellen Behandlung zuhause für den Hund tun kann. Einzig ein Index fehlt mir bei dieser komplexen Themenstellung.

Autor/in:
Renate Albrecht ist ausgebildete und zertifizierte Hundephysiotherapeutin, Tierheilpraktikerin und Tierpsychologin. Sie ist seit 1997 außerdem als Hundetrainerin, Sachverständige und Wesensgutachterin sowie als Züchterin für Bordeauxdoggen im Verband für das Deutsche Hundewesen tätig. Sie arbeitet als Hundephysiotherapeutin in der Tierklinik Nienburg.
Michaela Ender lebt in Bamberg und arbeitet als ausgebildete und zertifizierte Hundephysiotherapeutin und Hundeosteopatin in ihrer Praxis PhysioFit4Dog.

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