Betreten verboten! – Territorialverhalten bei Hunden verstehen

Betreten verboten!„Betreten verboten! – Territorialverhalten bei Hunden verstehen“ von Inga Jung
Kynos Verlag, 2016, ISBN(13) 978-3954640171, ISBN(10) 3954640171, EUR 19,95
200 Seiten, durchgehend farbig, Hardcover
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Territorialverhalten ist für einen Hund ein ganz normales Verhalten und früher wurde auch gerade diese Eigenschaft an Hunden sehr geschätzt. In der heutigen Lebenssituation ist dieses Verhalten für die Menschen oft störend und kann natürlich auch gefährlich sein.
Den Hund einfach mal so umzukrempeln ist nicht möglich, weil das Verhalten tief verwurzelt und auch oft rassetypisch ist. Sein Mensch muss das Verhalten in Bahnen lenken, ein Miteinander muss gefunden werden das aus Aufpassen, Management und Training besteht.

Das territoriale Verhalten ist sowohl rassetypisch aber auch sehr individuell vom jeweiligen Hund abhängig. Manchmal betrifft es den Garten, manchmal die Wohnung, manchmal einfach schon den Platz, an dem man eine kurze Zeit gesessen hat.

Die einleitenden Überlegungen des Buches umfassen etwa ein Drittel, der Rest sind praxisnahe Ratschläge.
Es wird Verständnis für den Hund, seine Sichtweise und das daraus resultierende Handeln erweckt. Der Mensch soll auch mal die Perspektive des Hundes einnehmen und versuchen, seine Sichtweise zu verstehen. Wir Menschen dürfen ja auch territorial denken im Sinne von „unser Wohnzimmer ist keine Durchgangsstrasse für fremde Menschen“.

Territoriales Verhalten ist oft gemischt mit Unsicherheit, das muss beachtet werden.

„Kein Hund muss in jeder Situation friedlich und freundlich reagieren. Kein Hund muss sich quälen lassen, ohne sich zu wehren, und kein Hund muss gegen seine eigene Logik handeln. Ein Hund ist für seine Taten nicht verantwortlich zu machen. Verantwortlich ist einzig und allein der Mensch, der mit diesem Hund zusammenlebt.“ Zitat Seite 57.
Der Mensch ist gefordert aufzupassen, zu managen und zu trainieren.

Im Praxisteil werden Managementmassnahmen beschrieben, Leinenführigkeit, Maulkorbtraining, Hundebox, Überlegungen zum Ort des Schlafplatzes, Alternativverhalten werden eingeübt, eine Aufgabe wird gegeben, eine wirksame Belohnung wird gefunden.

Dann kommt der grösste Teil des Buches, verschiedene Alltagsverhalten werden unter die Lupe genommen: „Was tue ich, wenn …“

Auch hier können die Szenarien jeweils ganz unterschiedlich aussehen, darauf weist die Autorin immer wieder hin.
Es werden Situationen wie der Besuch in einer Tierarztpraxis, es kommt Besuch, insbesondere Kinderbesuch (Sicherheitsaspekt!), es kommt Hundebesuch, Hundebegegnungen in verschiedenen Arealen, das Verhalten im Garten und noch einiges mehr, durchgesprochen.

Die Grundsätze sind immer wieder aufmerksam sein, schon mit dem Welpen üben, agieren nicht reagieren, managen, Alternativverhalten aufbauen, Loben und Belohnen.
Ein „Zeigen, wer der Chef ist und sagt, wer ins Haus kommt“, hat in diesem Buch keinen Platz.
Zitat S. 64: „Territorialverhalten ist oft mit Aggressionsverhalten verbunden. Die Fragen, die man sich stellen sollte, lautet aber nie: „Was tue ich, wenn mein Hund Aggressionsverhalten gegenüber anderen Hunden oder Menschen zeigt?“
Sondern die Frage sollte immer lauten: „Wie kann ich so vorausschauend handeln, dass es gar nicht erst zu aggressiven Verhaltensweisen gegenüber anderen Hunden oder Menschen kommt?“

Eventuelle Grenzen des Trainierbaren werden ebenfalls angesprochen. Zum Beispiel bellt ein territorialer Hund nicht mehr in Anwesenheit seines Menschen. In dessen Abwesenheit ist aber keine Einflussnahme möglich.

Der Sicherheitsaspekt gegenüber anderen Menschen, insbesondere Kinder, wird besprochen.
Der Zeitraum, in dem das Verhalten bereits gezeigt wird, spielt eine Rolle für das Training.

Bei Randthemen, wie eine Reaktion auf die Türklingel, Aggression an der Leine und ähnliches wird auf andere spezielle Bücher zu diesem Themen verwiesen.

Es wurde an viele Dinge gedacht wie verschiedene Ferienwohnsituationen, Mitfahrer steigen ins Auto, Gärten ohne Zaun.

Das Training ist immer ähnlich, ein Bereich wird bewacht, es muss vom Menschen aufgepasst, erkannt, gemanaged und trainiert werden.

Interessant ist auch ein Kapitel zur „anderen Seite“. Wie verhalte ich mich als Besucher, wenn ich in einen Haushalt komme und dort ein territorialer Hund wohnt und die Besitzer die entsprechenden Massnahmen noch nicht kennen?

Zum Schluss gibt es noch einen kleinen Exkurs Ressourcenverteidigung, weil dieses oft Hand in Hand mit territorialem Verhalten geht.

Fazit:
Eigentlich ist es nicht schwer ein territoriales Verhalten zu steuern. Es erfordert in erster Linie Aufmerksamkeit und Handeln des Menschen, ein Einschätzen der Situation und dementsprechendes Management/Training.
Das Buch zeigt dieses umfassend und verständlich und es bekommt von mir eine klare Empfehlung.

Autor/in:
Inga Jung ist zertifizierte Hundepsychologin, Hundebuchautorin, Hundeverhaltensberaterin und -therapeutin mit langjähriger Erfahrung in der Arbeit mit schwierigen Hunden..

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