Medical Training für Hunde – Körperpflege und Tierarzt-Behandlungen vertrauensvoll meistern

Medical Training für Hunde„Medical Training für Hunde – Körperpflege und Tierarzt-Behandlungen vertrauensvoll meistern“ von Anna Oblasser-Mirtl und Barbara Glatz
Cadmos Verlag, 2016, ISBN(13) 978-3840425219, ISBN(10) 3840425212, EUR 14,95
96 Seiten, durchgehend farbig, Paperback
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Tricks können meine Hunde und ich gut, aber wenn es um Übungen geht, die „sein müssen“ sieht die Sache oft schon anders aus und wir können ein unterstützendes Buch sehr gut gebrauchen.
Zuerst werden als Grundlage drei Säulen gebildet und erklärt.
Die erste Säule ist das Vertrauen, Bindung und Ehrlichkeit. Das Konto für Vertrauen kann und muss regelmäßig aufgefüllt werden.
Die zweite Säule ist der Respekt und beinhaltet Selbstbestimmung und Kooperation.
„Die Kombination aus freiwilliger Kooperation, dem Wissen, jederzeit die Notbremse ziehen zu können, einer tollen Bestärkung und einem sorgfältig ausgearbeitetem Trainingsplan ermöglicht es, den Hund dazu zu bringen, dass er auch an beängstigend wirkenden oder schmerzhaften Prozeduren teilnimmt.“ Zitat S. 22.
Es wird klar gesagt, dass der Hund nicht mit seiner Angst alleine gelassen werden darf.
Ein Kooperationsverhalten wird aufgebaut. Der Hund bestimmt selbst, wie lange er mitarbeiten möchte. Gerade dieses Konzept wird den meisten Lesern unbekannt oder erst unverständlich vorkommen. Das ist in der Praxis ein wirkungsvolles, mächtiges Werkzeug, das auch die Grundlage in diesem Buch darstellt.
Die dritte Säule ist das Training. Es wird positiv mit einem Markersignal aufgebaut. Die zehn Shapingregeln von Karen Pryor werden am Beispiel Krallenschneiden erklärt. Das Verhalten wird generalisiert und es wird zusätzlich mit konditionierter Entspannung gearbeitet.

In einem ganzen Kapitel geht es um den Vertrauensaufbau beim Welpen und es werden viele nützliche „Doktorspiele“ und Spiele rund um den Besuch beim Hundefrisör geschildert. Hierzu gibt es Links zu Videos, eine Checkliste und eine Auflistung von Tipps für Züchter.
Das Kapitel zu Management und Troubleshooting ist sehr praxisorientiert. Kleine Veränderungen machen eine Situation manchmal schon viel erträglicher. Hier richten sich die Ratschläge auch an die interessierte Tierarztpraxis und den Hundefrisör. Es gibt Notfallmassnahmen, gerade für den Fall wenn etwas nicht so klappt. Eventuell müssen ja Behandlungen durchgeführt werden, ohne dass ein Training schon greift.
Nach der Hälfte des Buches wird zu den praktischen Übungen übergegangen. Zuerst werden die Grundsätze des bisher Besprochenen noch einmal ins Gedächnis gerufen.
Der Hund wird nicht überrascht und überrumpelt. Alle Massnahmen werden angekündigt, der Hund kooperiert aktiv.
Zuerst gibt es Trainingspläne zum Kooperationsverhalten. Diese werden unterstützt durch Links zu Videos.
Dann folgen die Trainingspläne zu Übungen aus dem Medical Training, auch wieder unterstützt durch Videos. Als Besonderheit wird ein konditionierter Bestärker aufgebaut, der nicht immer mit Futter gepaart wird, sondern regelmässig aufgeladen. Das ist für den Fall vorgesehen, dass der Hund gerade nichts zu sich nehmen darf.
Sowohl die Beschreibungen, als auch die Videos sind verständliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen, auch für Anfänger nachzuarbeiten.

Fazit:
Die Erklärungen in diesem Buch sind klar und verständlich und unterstützt durch Zeichnungen und Videos auf jeden Fall anfängergeeignet. Praxisorientiert und gut aufgebaut gibt es eine Grundlage für das positive Training von Pflege- und Tierarzt-Massnahmen.

Autor/in:
Anna Oblasser-Mirtl ist geprüfte Trainerin für Zootiere (Absolventin des Exotic Animal Training and Management Program) sowie zertifizierte Hundetrainerin (Certified Professional Dog Trainer, CPDT-KA). Im von ihr gegründeten AnimalTrainingCenter beschäftigt sie sich mit der Ausbildung von Diabetiker-Warnhunden, dem modernen Training von Haustieren, Wildtieren und Exoten sowie ihren international erfolgreichen Hühnertrainingsseminaren.
Im Jahr 2012 hat sie für ihr Konzept des „Medical Training“ (angewandt an Zootieren) in Kanada den „Impact Award“ der Animal Behavior Management Alliance gewonnen, ein Preis, der als „Oscar des Tiertrainings“ bekannt ist.
Sie lebt mit Mann, Tochter und etwa 60 Tieren aus zweiter Hand auf einem idyllischen Bauernhof in der Steiermark.

Barbara Glatz ist Verhaltensbiologin und seit ihrer Kindheit von Tieren umgeben. Ihre Jugend verbrachte sie vor allem mit Pferde- und Reittraining und bereits während ihres Studiums in Graz begann sie ihre Tätigkeiten im AnimalTrainingCenter. Während dieser Zeit konnte sie außerdem Erfahrung in der Arbeit mit Wölfen im Wolf Science Center in Ernstbrunn sammeln und verbrachte mehrere Monate im Ausland (Australien, Südafrika, Tansania). Gemeinsam mit Anna Oblasser-Mirtl hat sie das AnimalTrainingCenter aufgebaut und die erfolgreichen Trainingskonzepte entwickelt. Derzeit pendelt sie zwischen Österreich, England und Tansania, wo sie ein Tier- und Naturschutzprojekt mitaufbaut, eine Tierauffangstation mitbetreut sowie positive Bestärkung im Training der dortigen Polizeihunde und -pferde etabliert.
http://www.animaltrainingcenter.at/

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