Will sei Dank – Memoiren einer Frau mit Hund

Will sei Dank„Will sei Dank – Memoiren einer Frau mit Hund“ von Patricia McConnell
Original: „The Education of Will – A Mutual Memoir of a Woman and Her Dog“, 2017
Kynos Verlag, 2017, ISBN(13) 978-3954641352, ISBN(10) 3954641356, EUR 19,95
300 Seiten, Hardcover
Kindle Edition, ASIN B01N0T7EGO, EUR 16,99
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Ein sehr persönliches Buch der Autorin in dem drei Themen durchgehend verwoben werden. Einmal die Geschichte der Autorin mit ihren persönlichen Traumata, dann verschiedene Beschreibungen von Klienten und ihren Hunden und ihr Border Collie Will und seine Entwicklung. Ab und zu war ich ein wenig von den zeitlichen Einordnungen verwirrt.

Will hat viele Probleme, wie Aggression gegen andere Hunde, zum Teil gegen Männer und eine große Schreckhaftigkeit. Und gerade diese Schreckhaftigkeit hat die Autorin auch und sie erkennt, dass Will und sie sich gegenseitig im Negativen beeinflussen. Er bringt sie mit seinem Verhalten an ihre emotionalen Grenzen. Sie erkennt, dass sie auch in ständiger Alarmbereitschaft lebt, verschiedene Ängste hat und reflektiert, dass es mit bestimmten Ereignissen in ihrem Leben zu tun hat.
Mit ihm trainiert sie, so wie sie es professionell kann. Und für sich selbst und ihre Traumata aus der Vergangenheit muss sie sich ebenfalls professionelle Hilfe holen. Die Parallelen der Verletzungen und ihren Folgen bei Mensch und Hund werden aufgezeigt.
Zitat S. 246: „Genau wie wir brauchen auch Hunde das Gefühl, keine hilflosen Opfer zu sein, sondern das Verhalten anderer um sie herum beeinflussen zu können. Auch Hunde können so traumatisiert werden, dass es ihr Verhalten tiefgreifend verändert. … Es ist an der Zeit, sie als Überlebende von Krieg und Gewalt zu betrachten – und nicht als Beispiele für irgendwie minderwertige Individuen, denen man ihre Unzulänglichkeiten vorwirft, sondern als Wesen, denen mit Können und Mitgefühl geholfen werden kann. Solche Hunde brauchen in allererster Linie Geduld und Verständnis, um ihnen einen Gefühl der Sicherheit zu vermitteln und das Vertrauen, dass sie die Welt um sie herum irgendwie beeinflussen können.“

An manchen Stellen wird die Verbindung von Wills Verhalten zur Vergangenheit der Autorin ein bisschen zu viel betont. Zum Thema gegenseitigen Beeinflussung das Zitat auf Seite 247: „Ich habe mich oft gefragt, ob ich nicht mich selbst auf Willie projizierte und meine eigenen Ängste für einen Großteil seines Verhaltens verantwortlich waren. Meine Antwort darauf fällt von Tag zu Tag anders aus.“

Das Buch ist ein Ja an das Leben und dem Sichstellen der Schwierigkeiten, von Schuld und Vergebung und dem Suchen und Annehmen von Hilfe.
Zitat S. 241: „Aber Drachen kann man töten – aus diesem Grund haben wir sie erfunden. Aber zuerst muss man sich ihnen stellen.“

Fazit:
Ein außergewöhnliches Buch und für die vielen McConnell-Fans natürlich ein Muss. Mir gefällt wie immer der Humor der Autorin. Das Buch ist spannend und fließend zu lesen. Kein Hundetrainingsbuch, das ist eine falsche Voraussetzung es zu lesen. Es kommt trotzdem natürlich viel Hund und Hundeverhalten vor. In erster Linie sind es, wie der Untertitel besagt, die Memoiren der Autorin.

Autor/in:
Dr. Patricia McConnell ist geprüfte Tierverhaltenstherapeutin und professionelle Hundetrainerin, die sich auf die Behandlung von Problemverhalten spezialisiert hat. Dazu ist sie außerordentliche Professorin für Zoologie an der Universität von Wisconsin-Madison, schreibt regelmäßig zum Thema Hundeverhalten in verschiedenen Zeitschriften, tritt in Fernsehen und Radio auf und ist Buchautorin.

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