Leben mit Jagdhund – Praxishandbuch für ein entspanntes Miteinander

Leben mit Jagdhund„Leben mit Jagdhund – Praxishandbuch für ein entspanntes Miteinander“ von Ines Scheuer-Dinger
Cadmos Verlag, 2018, ISBN(13) 978-3840425257, ISBN(10) 3840425255, EUR 19,95
80 Seiten, durchgehend farbig, Paperback
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Zuerst einmal wird pragmatisch daran erinnert, dass das Jagdverhalten eines Hundes normal ist und, zumindest früher, auch erwünscht war. Bei der Haltung eines Jagdhundes in der Familie ist es oft störend und unerwünscht, das wird in dem Buch gut deutlich.Zitat S. 9: „Wenn Sie Ihren Jagdhund nicht jagdlich führen, muss Ihnen bewusst sein, dass eine bedürfnisorientierte Haltung je nachdem, wo Sie wohnen, aufwendig sein kann. Ihr Hund hat spezielle Talente, die jahrhundertelang gefördert und verbessert wurden.“

Das Buch beginnt mit ein wenig Geschichte und Entwicklung, der Jagdhunde gefolgt von der Erklärung des Seeking und der Beutefangsequenz.

Es wird betont, dass es wichtig ist, ganz individuell auf die speziellen Bedürfnisse des einzelnen Hundes einzugehen und es wird darauf hingewiesen, dass alle Tipps aus dem Buch für seinen eigenen Hund überprüft werden sollten.

Die Rücksichtnahme gegenüber den Wildtieren darf nie vergessen werden, wir bewegen uns im Wohnzimmer des Wildes. Genau so müssen die Gefahren für den freilaufenden Hund vermeiden werden.
Zitat S. 9: „Wir sind es unserem Hund schuldig, ihn so zu trainieren, dass es allen Parteien – dem Hund, dem Halter und der Umwelt, also den Mitmenschen und den Wildtieren, gut geht.“

Zuerst wird eine Belohnungsliste erstellt. Hier ist die Besonderheit, dass die Autorin ihre Vorschlägen speziell auf die Bedürfnisse eines Jagdhundes abstimmt. Es wird gesagt, dass ein Training am Jagdverhalten nur allein mit Futterbelohnung unmöglich ist, sondern bedürfnisorientiert auf die Situation bezogen sein muss. Ebenso müssen angepasste Erregungsniveaus beachtet werden.

Dann wird ein Markersignal aufgebaut. Hier meine ich, es hätte für den Anfänger ein wenig genauer im Aufbau sein können.

Auf jeden Fall müssen faire Methoden gewählt werden. Zitat S. 35: „Auch und insbesondere bei der Ausbildung jagdlich geführter Hunde ist Training auf Basis positiver Verstärkung der richtige Weg. Hierbei übt der Hund täglich, mit dem Menschen zu kooperieren sowie ansprechbar und lenkbar zu bleiben. Wir hemmen ihn nicht in seiner Passion, sondern fördern ihn an den richtigen Stellen. Es sind gerade die so ausgebildeten Hunde, die auf Prüfungen oder im jagdlichen Alltag überragende Leistungen bringen.“

Den größten Teil des Buches nimmt das direkte Training am Jagdverhalten ein.
Im Vorfeld finde eine Analyse der Trainingsvoraussetzungen statt und Faktoren, die sich auf das Jagdverhalten auswirken, sollen herausgefunden werden.
Im nächsten Schritt geht man gemeinsam auf die Pirsch. Die Kooperation am Auslöser soll erreicht werden. Stehen am Wild ist das Ziel, es sollen eben nur einige Sequenzen der Beutefangsequenz wegfallen. Das wird in einem Schritt-für-Schritt-Aufbau vorgestellt.
Wenn das Stehen klappt, wird der Rückruf trainiert. In diesem Fall ist es der doppelte Rückruf, der gut und ausführlich erklärt und aufgebaut wird.
Weiter im Plan wird eine Ablenkungsliste erstellt, der Richtungswechsel aufgebaut, ein Arbeitspfiff in Verbindung mit Suchaufgaben eingeführt und das Sitz auf Entfernung (Stoppsignal) trainiert.

Dazu gibt es Exkurse von Esther Follmann zu den Themen „Entspannung konditionieren“ und „Pausen aufbauen“.

Eine bedürfnisgerechte Beschäftigung speziell für den Jagdhund muss gefunden werden. Die derzeitigen Beschäftigungen werden unter verschiedenen Kriterien überprüft.
Als Vorschläge hätte ich ein wenig mehr erwartet, hier werden nur Aktivitäten aus dem Bereich es Suchens genannt.

In diesem Buch ist darüber hinaus nicht nur der Jagdhund als Familienhund angesprochen, sondern auch der Jagdhund in Jägerhand. Hier wird Mut gemacht, den noch nicht immer üblichen positiven Weg in der Ausbildung zu gehen und für verschiedene Aufgaben aus dem Prüfungsbereich, wie Schussfestigkeit, Leinenführigkeit, Bleib, Apport, Nachsuche wird eine Trainingsmöglichkeit aufgezeigt.

Ein Warm Up und Cool Down werden beachtet und dazu findet eine Betrachtung des Bewegungsapparates im Hinblick auf jagdliche Arbeit statt.

Fazit:
Nicht nur Jagdhundebesitzer, sondern natürlich auch Besitzer von anderen Hunden mit Jagdverhalten, werden von diesem Buch profitieren. Ich habe mir ganz viele Gedanken und Erklärungen mitgenommen und kann das Buch nur empfehlen.

Autor/in:
Ines Scheuer-Dinger kommt aus Erlangen und trainiert dort unter dem Namen „Hunting Noses“ Menschen mit (Jagd-)Hunden. Im Rahmen ihres Soziologiestudiums hat sie sich mit der Rolle der Hundehaltung in unserer Gesellschaft und der Mensch-Hund-Beziehung befasst und zeitgleich eine Trainerausbildung zum International Dogtrainer absolviert. Sie ist Jagdscheininhaberin und hat ihre zwei Drahthaarvizlas auf Basis positiver Verstärkung auf jagdliche Prüfungen vorbereitet. Der freundliche und faire Umgang mit dem Hund stellt die Grundlage ihrer Arbeit da.

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