Feldstudien auf der Hundewiese

Beziehungsguide Mensch-Hund„Feldstudien auf der Hundewiese“ von Marc Bekoff
Original: „Canine Confidential – Why Dogs Do What They Do“, 2018
Kynos Verlag, 2018, ISBN(13) 978-3954641673, ISBN(10) 3954641674, EUR 24,95
296 Seiten, durchgehend farbig, Hardcover
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Da hab ich doch erst mal gedacht, Ethologie ist ein wenig verstaubt und eher langweilig. Ich möchte mich auch durch wissenschaftlich korrekte Fachliteratur unterhalten lassen. Und genau diesen Gedanken hat der Autor zum Glück auch. Er unterlegt fachliche Aussagen durchaus mit Geschichten, die er erzählt bekommt. Wer tiefer einsteigen möchte, findet umfangreiche Quellenangaben und eine große Bibliographie am Ende des Buches. Die Aussagen des Buches stützen sich immer auf Forschungsergebnisse und es wird klar gesagt, dass man es (noch) nicht weiß, wenn es keine Untersuchungen zu dieser These gibt. Ich forsche eigentlich selten weiter in den Quellenangaben, hier bin ich aber an vielen Stellen neugierig geworden. So macht Lesen Spaß.

Zitat S. 24: „Ich gebe Scientist-Journalisten und Autor Fred Pearce absolut recht, wenn er schreibt: „Um die Welt zu verändern, müssen die Wissenschaftler zu Geschichtenerzählern werden!“ Laien fällt es wesentlich leichter, sich auf Forschungsergebnisse einzulassen, wenn diese auf zugängliche Art und Weise präsentiert werden.“

Die Grundüberlegungen sind: Wer sind Hunde? Wie denken sie? Wie fühlen sie? Auf jeden Fall sind es Individuen, das wird an vielen Stellen hervorgehoben. Es ist nicht „der“ Hund, sondern „dieser“ Hund.

Welches Verständnis haben Hunde von uns Menschen?

Zitat S. 34: „Vielmehr glaube ich, dass wir lernen sollten, Hunde zu lesen und deren Perspektive einzunehmen, indem wir sie ganz genau beobachten. Wir kombinieren das, was uns die Wissenschaft zum Verhalten der Hunde sagt, mit dem, was wir Hunde in bestimmten Situationen tun sehen und sehen uns das Ganze durch die Linse des gesunden Menschenverstandes an.“

Der Autor stellt die Grundsatzfrage, wie wir unser Wissen einsetzen können, um die Lebensqualität des Hundes zu steigern. Hund ist ein Gefährte, der es verdient, ein möglichst schönes, glückliches Leben zu führen.

Zitat S. 37: „Gewissermaßen handelt es sich bei diesem Buch auch um einen Leitfaden zur Freiheit: Verstehen wir, was es heißt, als Hund in einer von Menschen dominierten Welt zu leben und dass beim Zusammenleben von Mensch und Hund beide Abstriche machen müssen, so sind wir bereits auf dem besten Weg zu größerer Freiheit für Zwei- und Vierbeiner.“

So steht die grundsätzliche Beobachtung des Hundes im Vordergrund, das geschieht oft auf der Hundewiese. Zitat S. 31: „Hundewiesen sind ausgezeichnete Schauplätze für Studien kognitiver Ethologie – der Wissenschaft von Verstand der Tiere – und Anthrozoologie, der Wissenschaft von der Mensch-Tier-Beziehung.“

Es werden verschiedene Verhaltensbereiche thematisiert. Die Sinne werden unter die Lupe genommen, Spielverhalten analysiert. Spiel ist Freiheit, Spaß und Freude und Hunde wollen Spaß. Das Thema „Dominanz“ wird untersucht. Hier wird gesagt, dass der Alltagsbegriff wenig mit dem der Forscher zu tun hat.

Interessant finde ich einige Überlegungen zum Thema „Gefühle und Herzensangelegenheiten“: Sind einige der Gefühle mit denen der Menschen vergleichbar, oder sind es Quasi-Gefühle? Kommunizieren Hunde mit ihrer Rute oder drücken sie so ihre Gefühle aus?

Auf der Hundewiese menschelt es auch. Menschen lernen sich gegenseitig kennen und nicht immer gehen die Begegnungen ohne Konflikte aus.

Zum Schluss wird zusammenfassend ausgeführt, was Ethik in der Haustierhaltung ist, wie ein Zusammenleben aussehen kann und dass jeder etwas tun kann, die Lage der Hunde zu verbessern. Die lebenslange Verpflichtung besteht, dem Hund das bestmögliche Leben zu bieten. Natürlich müssen da auch Kompromisse geschlossen werden.

Schritt für Schritt wird der Leser zum Hobby-Ethologen. Es wird ausgeführt, wie Beobachten und Beschreiben aussehen kann.

Fazit:
Zum Teil finde ich im Buch neue Gedanken zum Hund und zur Hundehaltung. Grundsätzlich ist es eine Beschreibung, wie Hunde eben sind und warum. Die Geschichten werden unterhaltsam und herzlich erzählt.
Hunde sind individuelle Lebewesen mit Gefühlen und wenn man mehr von ihnen weiß, kann ihr Leben schöner sein.

Autor/in:
Mark Bekoff ist emeritierter Professor für Ökologie und Evolutionsbiologie an der Universität Colorado, USA. Hunde sind schon sein ganzes Leben lang sowohl privat als auch beruflich einer seiner besonderen Interessenschwerpunkte. Er hat über dreißig Bücher und zahllose wissenschaftliche Artikel veröffentlicht und gilt als einer der Vordenker in der Forschung zum Hundeverhalten.

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