(Birmingham, GB, vom 07.03. - 10.03.2002)
Die Bilder zum Bericht
Am 07.03.2002 war es endlich soweit. Es ging los zur Crufts! Die grösste Hundeausstellung der Welt wollte endlich einmal besucht werden. Der zweite und dritte Ausstellungstag sollte von uns genutzt werden.
Früh morgens fuhren wir mit einem von der Ortsgruppe Dorsten vom Klub für Terrier organisierten Bus von Datteln ab. Über weitere Abholstationen kamen wir dann durch die Niederlande nach Belgien. Dort gerieten wir in einen Bauernstreik, sie machten mit Treckern die Strasse dicht. Nach einigen Umwegen ging es weiter nach Frankreich. Durch die Verzögerung verpassten wir in Calais die Fähre und mussten auf die Nächste warten.
Nach kurzer Überfahrt sahen wir dann endlich die berühmten weissen Felsen von Dover. Nun ging die Reise richtig los. Sehr unbehaglich war mir am Anfang der Linksverkehr. Besonders im Kreisverkehr, der in GB anscheinend an jeder Ecke herrscht. Aber es stehen
noch ziemlich lange Schilder von Dover aus, dass die Ausländer auch ja dran erinnert werden :-) Wir fuhren durch teilweise sehr schöne Landschaften Richtung Canterbury, einem wunderschönen alten Ort, wo wir einen zweistündigen Aufenthalt hatten.
Dann weiter Richtung Birmingham, welches oberhalb von London liegt. Ziemlich spät am Abend kamen wir völlig erledigt dort an. Hoffentlich hatten sich die Strapazen auch gelohnt. Eine Fünf-Länder-Tour nur wegen einer Hundeausstellung ...
Am nächsten Morgen bemerkten wir, dass im Hotel auch ziemlich viele Hunde wohnten. Alles Anwärter auf Trophäen der Crufts. Es wurden über 20.000 Hunde erwartet, die zum zweiten Mal auch aus dem Ausland teilnehmen durften. Eigentlich zum ersten Mal richtig, da die Quarantänebestimmungen erst 2001 gelockert wurden, diese Crufts dann aber wegen der Maul- und Klausenseuche verschoben werden musste, so dass viele Aussteller nicht teilnahmen. Es existierten alleine 4 dicke Ausstellungskataloge, in denen die Hunde aufgelistet waren und zusätzlich ein allgemeiner Katalog, in denen u. a. die Händler aufgelistet waren.
Der Eintritt war 11,50 GBP, also ca. 17 EUR für einen Tag. Dafür wurde aber auch reichlich geboten. Die Ausstellung findet im National Exhibition Centre am Rande von Birmingham statt und erstreckt sich über insgesamt 5 Hallen. Das klingt nicht gross, aber eine der Hallen habe ich am ersten Tag, trotz Aufenthaltes von 10 bis 18 Uhr, überhaupt nicht gesehen.
Es liefen in allen Hallen gleichzeitig interessante Vorführungen, ich hätte mich am liebsten in mehrere Teile geteilt :-)
Ich wollte natürlich die ausgestellten Cairn Terrier sehen. Gleichzeitig war der Obedience Wettkampf im Main Ring, das Good Citizen Dog Scheme im GCDS-Ring, der Young Kennel Club im YKC Ring, ganz viele verschiedene Dinge im Special Events Ring, wie Heelwork to Music, Flyball, Polizeivorführungen, Agility-Wettbewerbe dazu noch Vorführungen der Gun Dogs, Hospital-Besuchshunde, Hunde für taube Menschen, Retired Greyhound Parade und und und ... Ich wusste gar nicht, wo ich nun am besten zu welchem Zeitpunkt stehenbleiben und schauen sollte. Also war ich permanent unterwegs, um ja nichts zu verpassen. Zweimal habe ich mich in den Hallen dabei so verlaufen, dass ich wirklich nicht mehr wusste, wo ich nun war :-)))
Dazu kam noch der ausführliche Besuch der insgesamt 378 (!) Verkaufsstände.
Also der Reihe nach:
Cairn Terrier habe ich nur ganz kurz gesehen. Die Ruhe, am Ring zu sitzen, um einen nach dem anderen mit fachfraulichem Blick zu beurteilen, hatte ich nicht. Da ich selbst nicht der Ausstellungsfreak bin, war das auch nicht so wichtig. Die anderen Mitreisenden hatten "ihre" Rassen genauestens im Blick und waren natürlich begeistert über die "Qualität" der Hunde, die dort ausgestellt wurden. (So reden eben die Profis ;-))
An jedem Ring waren in Zweierreihen Stühle aufgestellt, wo sich tatsächlich Besucher hinsetzen konnten *staun*. Ich erwähne das deshalb extra, weil ich die Situation von den Bundessieger- und Europasiegerzuchtschauen in Dortmund kenne. Dort haben sich grundsätzlich die Aussteller rund um den Ring verteilt. Selbstverständlich mit ihrem gesamten Equipment, sprich Trimmtisch, Kühltasche, Klappstühle, Extra-Tisch und so weiter. Natürlich wird auch die relativ spärliche Hallenbestuhlung schon ganz früh morgens in Beschlag genommen. Wenn dann der Besucher auch mal etwas davon sehen möchte, wofür er bezahlt hat, steht er in der dritten Reihe. Zudem wird er noch mit bösen Blicken der Aussteller bedacht, wenn er deren Trimtischen zu Nahe kommt.
Auf der Crufts war auch kein Hund am Ring, der dort aktuell nichts zu suchen hatte. Das heisst, die jeweilige Gruppe konnte in Ruhe ohne begleitendes Gekeife vom Rand vorführen.
In den gesamten Hallen herrschte Rauchverbot, was auch in Abständen immer wieder durchgesagt wurde. Sämtliche Gänge waren mit Teppichfliesen ausgelegt.
Die ausgestellten Hunde waren in langen, offenen Boxenreihen untergebracht. Ein riesiges Schild unter der Decke wies den Weg zu den Gruppen (die Einteilung ist eine andere, als die bei uns gewohnte der FCI). Innerhalb der Gruppen waren die Rassen jeweils zusammen untergebracht. Dies war gut beschildert. Die Gänge waren für Besucher frei. In den Boxen war eine Möglichkeit eine Leine einzuhaken oder auch einen der üblichen "Käfige" hineinzustellen. Die Aussteller durften ihre Hunde höchstens eine halbe Stunde alleine lassen.
Die einzelnen Rassehundevereine hatten jeweils einen Stand, an dem sie sich und ihre Hunde präsentieren durften. Diese Stände waren alle gerecht gleich gross und hatten einen "Laufstall" dabei. In diesem Laufstall waren immer Hunde der jeweiligen Rasse. Die waren sehr freundlich und konnten angefasst werden. Die Menschen an den Ständen waren äusserst freundlich und gaben bereitwillig Auskunft. Wenn jemand fotografieren wollte, wurden die Hunde in Position gesetzt und alle überflüssigen Menschen sprangen aus dem Bild :-)
Auch die Rassehundestände waren gut ausgeschildert und leicht zu finden.
Ich lernte dort auch gleich eine für mich neue Rasse kennen. Lancashire Heeler, nicht FCI-anerkannt. Sie sahen aus wie Glatthaardackelmischlinge und sind geborene Hütehunde, aber auch Agitily- und Obedience-"tauglich".
Als Veranstaltung habe ich mir natürlich besonders den Obedience-Wettkampf im Main Ring, an dem auch Mary Ray teilnahm, angesehen. Hier konnte man gleichzeitig über einen grossen Monitor das Geschehen verfolgen und dort auch die Punkte für die jewilige Übung sehen. Das war natürlich Obedience der Spitzenklasse. Allerdings fiel mir ein paar Mal auf, dass die Hundeführer grob mit den Hunden waren, was keine Konsequenzen hatte. Zum Beispiel schüttelten sie sie manchmal in der Grundstellung am Kragen oder "hoben" sie mit der Leine in die korrekte Position.
Alle diese Hunde waren Border Collies oder Working Collies (was optisch aufs gleiche hinauslief), man munkelte, dass am Tag vorher auch ein Deutscher Schäferhund teilgenommen hatte.
Die ganze Show wirkte sowieso wie ein Landestreffen der Hütehunde, überall Border Collies...
Auch in den anderen Ringen liefen ununterbrochen Vorführungen. Obedience, Flyball, Agility, Trainingsgruppen, Kinder mit Hunden, Jugendliche mit Hunden, Heelwork to Music, Hospital-Besuchshunde, Hunde-in-Not-Organisationen, Blindenhunde, Servicehunde für behinderte Menschen, Jagdhunde zeigten ihre Passion und und und ... Hunde sind also nicht nur zum Kämmen da ...
Auffallend viele der Stände waren dann auch in irgendeiner Form helfenden Hunden, Hunden in Not und der Wohltätigkeit gewidmet. Gegen kleine Spenden bekam man dort ausgefallende Anstecker, Aufkleber usw. Die Schönsten habe ich vom Blindenhundestand.
Die Hunde trugen in der Regel eine Decke, auf der stand, welche Funktion sie hatten. Kaum ein Hund war "ohne" unterwegs.
Ganz viele Besucher fuhren im Rollstuhl und viele von Ihnen hatten wiederum einen helfenden Hund dabei.
Eine äusserst gastfreundliche Erfindung waren die Overseas Lounges. Das waren zwei grosse, abgeteilte Bereiche, extra für die ausländischen BesucherInnen. Dort musste man sich in eine Liste eintragen, dann bekam man einen Änhänger, der sehr wichtig aussah (z. B. die Ringstewards trugen die gleichen in einer anderen Farbe) und konnte dort in Ruhe sitzen, in den ausgelegten Hundezeitschriften blättern und dazu bekam man noch Kaffee, Tee und Kekse umsonst. Tat das gut, einmal auszuruhen, ein wenig weg von dem Rummel! Damit man keine wichtigen Ergebnisse verpasste, waren dort (wie auch sonst in den Hallen) Monitore aufgestellt, auf denen die aktuellen Ergebnisse der einzelnen Rassen und Wettbewerben bekannt gegeben wurden.
Nun muss ich noch vom Wichtigsten erzählen: Den Verkaufsständen :-))) Jeder Stand hatte eine Nummer, anhand derer er auch wiederzufinden war. Ich war an allen beiden Tagen schwer bepackt, eigentlich als einzige aus unserem Bus. Die grossen Futtermittelhersteller hatten riesige Bereiche mit Cafes etc. aufgebaut. Bücher und Videos gab es, T-Shirts, Agilty-Zubehör, Stofftiere, Bürsten, Kämme, Aufkleber, Leckerchen ... Wer einen Border Collie hat, konnte ALLES mit Border Collie-Aufdrucken bekommen. Ich habe mir ein paar englische Hundezeitungen mitgebracht, die das Ausmass einer "Bild am Sonntag" haben. Das Leinensortiment allerdings hatte ich mir irgendwie ausgefallener vorgestellt. Auch waren nur ganz wenige Stände dort, die furchtbar stinkende Dinge, wie Kopfhaut, Schweineohren, Pansen usw. anboten. Da ist das Angebot hier in Deutschland ungleich grösser.
Allerdings gönnte ich meiner Luzie am Nylabone-Stand zwei Knochen, Käse und Erdnussbutter. Das Sortiment war riesig und reichte bis Wassermelone. Für die umgerechnet über 3 EUR, die ein Knochen kosteten, dachte ich, dass sie wenigstens 1 Monat daran nagt. Nach 15 Minuten war dieses teure Vergnügen verputzt *kreisch*! Den Erdnussbutter-Knochen halte ich zur Zeit im Keller versteckt. Den bekommt sie mal für besondere Leistungen, wenn sie mir das Leben rettet oder so :-)))
Viele Prominente nutzten die Ausstellung, ein wenig Werbung zu machen. Jan Fennell ("Mit Hunden sprechen") hatte ihre Auftritte an verschiedenen Ständen, signierte Bücher und stand dem Publikum Rede und Antwort. Wobei ich sagen muss, dass ihre mündlichen Auskünfte sehr viel vernünftiger klangen als das Buch.
Attila Szkukalek stand mitten in der Menge, vor einem Stand, der sein hervorragendes Video verkaufte. Immer wenn Leute auf ihn aufmerksam wurden, fingen er und sein Border Collie auf etwa 2 qm an zu tanzen. Danach liess der Hund sich von der Menge feiern und knuddeln.
Karen Pryor war auf Plakaten an den Bücherständen zu Signierstunden angekündigt. Allerdings war sie zu diesen Zeiten nie an dem Ort, an dem sie angekündigt war :-( Sie lief aber in der Menge an mir vorbei (und dachte sich wahrscheinlich: Warum starrt die mich so an? *g*)
Dr. Mugford war auch an dem Stand, die Kongs und andere Dinge, die er entworfen hat, verkauften.
Ach ja, gewonnen hat ein norwegischer, weisser Grosspudelrüde, aber das war mir eigentlich egal. An diesem letzten Tag der Ausstellung waren wir schon wieder auf dem Rückweg nach Deutschland.
Die Crufts war einfach superklasse, ich habe mich äusserst willkommen gefühlt.
Die Engländer habe ich als sehr freundliche Menschen kennengelernt.
Von Birmingham habe ich sonst nichts zu berichten, wir waren nur in den Hallen unterwegs. Auch Fish & Chips habe ich nicht gegessen, kein englisches Bier ohne Schaum getrunken ...
Ich muss dringend noch einmal hin :-)))
Die Bilder zum Bericht