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  Bunter Hund


Tellington - Touch
Die Kunst der Berührung

Im Januar 1999 besuchte ich mit meinen Hunden aus reinem Interesse einen Tellington-Touch-Kurs, der glücklicherweise ganz in der Nähe angeboten wurde. Meine Neugierde war gross, aber ebenso meine Skepsis, dass man mit Berührungen auch Verhaltensprobleme angehen kann. Ebenso war ich skeptisch, ob das Ganze nicht doch was mit Esotherik zu tun hat, der ich völlig abgeneigt war.
Die zwei Frauen, die den Kurs leiteten, machten aber überhaupt keinen "abgehobenen" Eindruck, sondern waren im Gegenteil sehr nett und praktisch veranlagt. Silvia Weber und Regina Tichelhofen sind Practitioner, jene Menschen eben, die autorisiert sind, Kurse im Sinne der TTEam-Gilde abzuhalten. Auch einer der Hunde des Hauses beeindruckte mich, der seine Streicheleinheiten forderte und der, wie man vorsichtig sagte (er war sehr gross), früher den Beinamen "Menschenfresser" trug. Bei ihm haben die TTouches auf dem Weg ein freundlicher Hund zu werden, eine Menge beigetragen.
Im kleinen Kreis und in entspannter, gastfreundlicher Atmosphäre lernte ich in den folgenden Wochen eine ganze Menge neuer Dinge, die für mich der Anstoss waren, einen "neuen" Weg in der Hundeausbildung und im Miteinander überhaupt einzugehen.

Ich will versuchen, Dir einen Einblick zu geben und Dir vielleicht sogar die Teilnahme an einem Kurs schmackhaft zu machen. Du brauchst keine besonderen anatomischen Kenntnisse oder gar Heilkräfte zu haben.

Linda Tellington-Jones, die Begründerin der Methode, fing in den 70er Jahren an, aus der Feldenkrais-Methode (benannt nach Dr. Moshe Feldenkrais) die TTeam-Arbeit zu entwickeln. In der Feldenkrais-Methode (gedacht für den Menschen) werden für den Körper ungewohnte Bewegungsmuster dazu benutzt zu beruhigen, zu stärken, Schmerzen zu lindern, Rehabilitationen zu beschleunigen und die Lernfähigkeit zu steigern. Dabei werden unbenutze Nervenbahnen aktiviert und neue Gehirnzellen geweckt.
Die sehr schwierig zu vermittelnde Methode war für den Laien schwer umzusetzen und wurde von Linda Tellington-Jones so modifiziert, dass der Tierbesitzer sie selbst an seinem Tier anwenden konnte.
Zuerst arbeitete sie an Pferden, später dehnte sie die Methode auf alle Tiere aus. Daher auch der Name T.T.E.A.M. "Tellington-Touch-Every-Animal-Method" (der Tellington-Touch für alle Tiere).

Für jeden einleuchtend dürfte sein, dass z. B. Hektik mit körperlichen Anzeichen einhergeht. Hier seien genannt steife, kurze Schritte, hoher Kopf und unregelmässige Atmung. Wenn man also auf den Körper einwirkt, am Hals, an den Ohren, am Rumpf "arbeitet" lösen sich die Verspannungen und das Tier wird wieder zugänglich und aufnahmefähig.
Wenn Du Angst hast oder Dich aufregst hilft Dir ein bewusstes, gleichmässiges Atmen und Deine Anspannung lässt merklich nach.
Das ist die recht unwissenschaftliche Erklärung, welche Theorie hinter der Arbeit steht. Rein wissenschaftlich wurde eine Anregung aller vier Gehirnströme gemessen, die bei einer reinen Massage nicht festzustellen ist.

Die Methode gliedert sich in zwei Bereiche. Einmal in die Berührungen, die TTouches und zum anderen in die Boden- und Führarbeit. Dazu kommt noch die Anwendung eines Körperbandes

Fangen wir bei den TTouches an:
Vor Beginn der eigentlichen TTouches wird der Körper ausgestrichen, dies nennt man "Noahs Marsch", damit werden die Körperteile verbunden und das Bewusstsein für den ganzen Körper erzeugt.
TTouches sind kreisförmige Bewegungen, die wir mit unserer Hand auf der Haut des Hundes durchführen.
Sie werden mit verschiedener Intensität ausgeführt, wir unterscheiden Druckstärken von 1 - 6. Der Druck wird der Reaktion des Hundes angepasst. Unangenehm sein oder gar wehtun darf es auf keinen Fall!
Gewöhnlich werden die Kreise als 1 1/4-Kreise ausgeführt und je nach Art des TTouches die Fingernägeln bis hin zur ganzen Handfläche benutzt. Dazu wird ruhig geatmet.
Die TTouches tragen einprägsame Tiernamen, der Basistouch wird "Wolkenleopard" genannt.
Bei der Arbeit an meinen Cairns, die nicht über so viel "Arbeitsfläche" verfügen, haben sich die "Waschbär TTouches" bewährt, die einen präziseren, kleineren Kreis zulassen.
Bei mir selbst wende ich gerne den "Bären TTouch" an um gegen fies juckende Mückenstiche vorzugehen, ohne sie aufzukratzen.

Neben beruhigenden und entspannenden TTouches gibt es noch die stimulierenden und durchblutungsfördernden wie den "Tatantel TTouch" (erzeugt eine sofortige Gänsehaut) und den "Zick Zack TTouch".

Die Maularbeit ist ein wichtiger Bestandteil, sie wirkt auf das limbische System im Gehirn, welches die Emotionen steuert und ist besonders bei Angst, Stress, Hyperaktivität usw. zu empfehlen. Es werden kleine TTouches auch im Maul ausgeführt.

Ebenso ist die Ohrenarbeit eine Beruhigung für hyperaktive Hunde und wirkt kreislaufstabilisierend. (Bei Menschen gut gegen Kopfweh, aber wer sagt, dass Hunde kein Kopfweh haben?) Die Ohren werden gleichmässig vom Kopf weg ausgestrichen.

Für mehr Körperbewusstsein und einer Verbesserung von Balance und Gang empfiehlt sich das Beinkreisen. Die ganzen Gliedmassen werden langsam bewegt.

Der zweite grosse Aspekt der Tellington-Methode ist die Führarbeit. Geführt wird über einen Pacours mit verschiedenen Hindernissen, z. B. einem Labyrinth, Reifen, Cavalettis, usw. Hier geht es überhaupt nicht um Schnelligkeit, Sprungkraft u. ä., sondern im Gegenteil, es wird sehr langsam und konzentriert gearbeitet. Der Hund soll lernen, im wahrsten Sinne des Wortes "auf allen vier Beinen zu stehen", sich seiner Bewegungen bewusst zu werden. Geführt werden kann mit einer oder auch mit zwei Personen, wobei jede Person eine Leine hat und den Hund in die Mitte genommen wird. Zwischendurch wird der Hund abgestrichen, mit der Hand oder auch mit einer Gerte.
Bewährt hat sich die doppelte Führung, d. h. mit einer Leine am Halsband oder am Brustgeschirr und einer Leine am Halti.
Hinweis für die "Hau-Ruck-Fraktion": Am Halti wird niemals mit einem Ruck korrigiert, der Hund kann bleibende gesundheitliche Schäden davontragen. Das Gewicht abgefangen wird mit der anderen Leine, mit dem Halti wird nur der Kopf geführt.

Zum Schluss noch ein Wort zu dem Teil der Tellington-Arbeit, die dem Zuschauer am ehesten im Gedächnis bleibt, dem Körperband. Ein elastische Binde wird mit einer gewissen Technik um den ganzen Hund gewickelt. Dieses Band gibt dem Hund mehr Gefühl für den eigenen Körper, nervösen Hunden vermittelt es Sicherheit.
Ich nehme es wegen Reaktionen der Umwelt "was hat denn der Arme?", auch nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit ;-)

Als Fazit kann ich sagen, dass das Erlernen dieser Techniken mir und meinen Hunden sehr gut getan hat. Besonders auf meine überaktive Luzie wirken TTouches und das Körperband sehr beruhigend.
(Wenn meine Kursleiterinnen das jetzt lesen, werden sie sicher lachen. Luzie liess sich auch mit den belebenden TTouches nicht mehr davon abbringen, einfach nur platt auf dem Boden zu liegen und den Hühnern zuzuschauen. Wo sie doch sonst so liebend gerne terriermässige, nicht so nette Dinge mit Hühnern macht.)

Wenn Du es lernen möchtest, schliess Dich am besten einem Kurs an, Termine erfährst Du bei der TTeam-Gilde.
Zur Not kannst Du auch mit den Büchern arbeiten, das "Tellington-Training für Hunde" ist super und wirklich erschwinglich. Ich fand es allerdings sehr wichtig, die TTouches und die Führarbeit unter Anleitung zu lernen, denn es sind so viele Dinge zu beachten, die praktisch vorgeführt am einfachsten zu lernen sind.

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